
Ein Sturz vom Klettergerüst, ein Zusammenstoß beim Fußball oder ein Ausrutscher im Bad: Ein Zahnunfall bei Kindern passiert oft in Sekunden. Bei einem Zahnunfall bei Kindern richtig zu handeln, kann jedoch entscheidend dafür sein, ob ein bleibender Zahn erhalten werden kann. Das Wichtigste zuerst: Bewahren Sie Ruhe, trösten Sie Ihr Kind und lassen Sie die Verletzung zeitnah zahnärztlich beurteilen.
Schauen Sie zunächst, ob Ihr Kind bei Bewusstsein ist und normal atmet. Bei Benommenheit, Erbrechen, Bewusstlosigkeit, starken Kopfschmerzen oder einer größeren Wunde im Gesicht steht die ärztliche Notfallversorgung im Vordergrund. Auch nach einem heftigen Stoß auf den Kopf sollte die Kinderärztin, der Kinderarzt oder eine Notaufnahme eingeschaltet werden.
Blutet es im Mund, legen Sie eine saubere Kompresse oder ein frisches Stofftaschentuch auf die Stelle. Ihr Kind sollte sanft zubeißen, damit die Blutung nachlässt. Kühlen Sie Wange oder Lippe von außen mit einem in ein Tuch gewickelten Kühlpad. Direktes Eis auf der Haut kann zu zusätzlichen Schäden führen.
Versuchen Sie nicht, einen verschobenen Zahn mit den Fingern geradezurücken. Auch wenn der Zahn nur etwas locker wirkt, braucht er eine fachliche Untersuchung. Nicht jede Verletzung ist auf den ersten Blick sichtbar: Die Zahnwurzel, der Kieferknochen oder der Zahnnerv können betroffen sein, obwohl kaum Blut zu sehen ist.
Diese Frage verändert das weitere Vorgehen. Ein ausgeschlagener Milchzahn darf nicht wieder eingesetzt werden. Unter ihm entwickelt sich der bleibende Zahn, dessen Anlage durch das Wiedereinsetzen verletzt werden könnte. Suchen Sie dennoch möglichst rasch eine Zahnarztpraxis auf. Dort lässt sich prüfen, ob Zahnreste zurückgeblieben sind, die Wunde versorgt werden muss oder Folgeschäden zu erwarten sind.
Bei einem ausgeschlagenen bleibenden Zahn ist die Zeit besonders wertvoll. Je schneller der Zahn korrekt gelagert und behandelt wird, desto besser sind die Chancen, ihn zu erhalten. Bleibende Schneidezähne kommen häufig ab dem Grundschulalter durch. Sind Sie unsicher, ob es sich um einen Milchzahn handelt, behandeln Sie die Situation vorsichtig und rufen Sie sofort in einer Zahnarztpraxis an.
Suchen Sie den Zahn und fassen Sie ihn ausschließlich an der Krone an, also an dem Teil, der normalerweise sichtbar im Mund steht. Berühren Sie die Wurzel möglichst nicht. Dort sitzen empfindliche Zellen, die für ein erfolgreiches Wiedereinsetzen wichtig sein können.
Ist der Zahn verschmutzt, spülen Sie ihn kurz und vorsichtig mit kaltem, sauberem Wasser ab. Bitte nicht schrubben, nicht desinfizieren und nicht mit einer Bürste reinigen. Falls eine Zahnrettungsbox vorhanden ist, legen Sie den Zahn sofort hinein. Diese spezielle Nährlösung bietet die beste Lagerung für die Zellen an der Wurzel.
Gibt es keine Zahnrettungsbox, kann kalte H-Milch als Übergangslösung dienen. Leitungswasser ist nur für das kurze Abspülen geeignet, nicht für die Lagerung. Den Zahn im Mund, etwa zwischen Wange und Zahnfleisch, aufzubewahren, kommt nur bei älteren, zuverlässigen Kindern oder Erwachsenen infrage. Bei kleineren Kindern besteht die Gefahr, den Zahn zu verschlucken oder einzuatmen.
Fahren Sie anschließend ohne Verzögerung zu einer Zahnarztpraxis oder zum zahnärztlichen Notdienst. Ein ausgeschlagener bleibender Zahn ist ein dringender zahnmedizinischer Notfall - auch dann, wenn Ihr Kind kaum Schmerzen hat.
Nicht jeder Zahnunfall führt dazu, dass ein Zahn vollständig herausfällt. Häufig bricht nur eine Ecke ab. Suchen Sie das Bruchstück, wenn möglich, und bewahren Sie es feucht auf, zum Beispiel in Milch oder einer Zahnrettungsbox. Unter günstigen Voraussetzungen kann das Fragment wieder befestigt werden. Selbst wenn es nicht auffindbar ist, lässt sich ein abgebrochener Zahn meist ästhetisch und funktionell versorgen.
Ein gelockerter oder verschobener Zahn braucht ebenfalls eine zeitnahe Untersuchung. Kinder sollten bis zum Termin nicht auf dem betroffenen Zahn beißen und weiche, eher kühle Speisen essen. Wackelt ein Milchzahn nach dem Unfall stärker, kann das harmlos sein - es kann aber auch auf eine Verletzung im Bereich der Wurzel hinweisen. Hier entscheidet nicht der sichtbare Eindruck allein.
Manchmal wird ein Zahn durch den Stoß weiter in den Kiefer hineingedrückt. Besonders bei Milchzähnen muss sorgfältig geprüft werden, wie nah der Zahn an der Anlage des bleibenden Nachfolgezahns liegt. Moderne digitale Röntgendiagnostik kann helfen, Verletzungen an Wurzel und Kieferknochen schonend einzuordnen und die passende Behandlung zu planen.
Auch wenn ein Zahn zunächst unverändert aussieht, kann er später empfindlich werden, sich verfärben oder auf Kälte anders reagieren. Vereinbaren Sie daher nach einem Stoß immer eine Kontrolle. Je nach Verletzung sind weitere Nachuntersuchungen sinnvoll, um die Entwicklung des Zahnnervs und der Wurzel im Blick zu behalten.
Bei folgenden Beschwerden sollte Ihr Kind umgehend zahnärztlich oder, bei zusätzlichen Kopfverletzungen, ärztlich untersucht werden:
Bei Schmerzen können Eltern nach Rücksprache mit einer Apotheke oder Arztpraxis ein für Kinder geeignetes Schmerzmittel geben. Aspirin ist bei Kindern nicht geeignet. Verzichten Sie außerdem auf Hausmittel wie Alkohol, Mundspülungen mit reizenden Inhaltsstoffen oder das eigenständige Kleben von Zahnfragmenten.
Nach der Erstversorgung hilft eine weiche Kost für einige Tage. Joghurt, Suppen, Kartoffelpüree oder weiches Gemüse belasten die Zähne weniger als harte Brotrinden, Nüsse oder Rohkost. Das Kind sollte nicht am betroffenen Zahn abbeißen und Kontaktsport vorübergehend pausieren, bis die zahnärztliche Empfehlung vorliegt.
Die Mundhygiene bleibt wichtig, muss aber besonders behutsam erfolgen. Putzen Sie die Zähne mit einer weichen Bürste vorsichtig weiter und halten Sie die verletzte Stelle sauber. Bei kleinen Kindern können Eltern dabei unterstützen. Je nach Befund kann die Zahnarztpraxis zusätzliche Hinweise für die Pflege und Ernährung geben.
Achten Sie in den folgenden Wochen auf zunehmende Schmerzen, Schwellungen, einen kleinen Pickel am Zahnfleisch, eine graue Verfärbung des Zahns oder Veränderungen beim Zubeißen. Gerade bei Milchzähnen kann sich eine Folge des Unfalls erst später zeigen. Eine Verfärbung bedeutet nicht automatisch, dass ein Zahn entfernt werden muss, sollte aber immer kontrolliert werden.
Beim Fahrradfahren, Rollerfahren und bei vielen Ballsportarten schützt ein gut sitzender Helm vor schweren Kopfverletzungen. Ein individuell angepasster Mundschutz kann beim Hockey, Kampfsport oder anderen Kontaktsportarten zusätzlich sinnvoll sein. Im Alltag helfen rutschfeste Socken, gesicherte Treppen und ein aufmerksamer Blick auf gefährliche Kanten - ohne Kindern die Freude an Bewegung zu nehmen.
Entscheidend ist nicht, jede kleine Verletzung selbst beurteilen zu müssen. Wenn Ihr Kind auf Mund oder Zähne gefallen ist, darf eine schnelle zahnärztliche Einschätzung beruhigen und schützen. In der Zahnarztpraxis am Schlachtensee begleiten wir Kinder behutsam und erklären Eltern verständlich, welche nächsten Schritte für ein gesundes, schönes Lächeln sinnvoll sind.